JL Reinoldus zur Pflichttreue Dortmund

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Die eigene Logengeschichte

Eigene Historie

Als die Freimaurerei in Deutschland Fuß faßte, war Dortmund zwar noch freie Reichsstadt, aber sowohl durch ihre Verpflichtungen gegenüber dem Kaiser als auch durch seine Bündnisse mit Österreich und Frankreich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Das war natürlich kein geistiger Nährboden für die Gründung einer Freimaurerloge, in denen sich im 18 Jhd. überwiegend der Landadel, Offiziere und das gebildete Bürgertum versammelten.
Besser ging es damals in Westfalen den kleinen Gemeinden wie Schwelm und Iserlohn, in denen das neue aufstrebende Bürgertum und ein bescheidener Wohlstand am Beginn der Industrialisierung zur Gründung der Logen "Zum Westfälischen Löwen" 1792 in Schwelm und der Loge "Zur deutschen Redlichkeit" 1796 in Iserlohn führten.

Erst mit der beginnenden Aufwärtsentwicklung Dortmunds im Laufe der Entwicklung der Montanindustrie unter preußischer Verwaltung in der Mitte des 19.Jhds. wurde es möglich, an Logengründungen im heutigen Ruhrgebiet zu denken.
1855 war es dann soweit, dass 35 Freimaurerbrüder die Johannisloge "Zur alten Linde" gründeten.
Dortmund war mit 20.000 Einwohnern immer noch eine relativ kleine Stadt, die gerade erst einen Bahnhof bekommen und die ersten Bergwerke und Hütten in Betrieb gesetzt hatte. So liest sich denn auch die soziale Zusammensetzung der Logenmitglieder wie das Mitgliederverzeichnis eines ganz normalen bürgerlichen Vereins.
Die Gründungsbrüder waren Bauführer, Maschinenwerkmeister, Kaufmann, Spediteur und Lehrer. Aber auch ein Bürgermeister, ein Gutsbesitzer und ein Oberbergamts-Maschineninspektor waren dabei. Diese Loge war der Großloge "Zur Freundschaft"- früher Royal York - in Berlin angeschlossen und vertrat eine zwar den englischen Traditionen verpflichtete , aber doch mit christlichen Prinzipien durchsetzte Lehrart.

Im Laufe der historischen Entwicklung vor und nach der Herrschaft Napoleons in Mitteleuropa hatte es in der Freimaurerei immer wieder Zwistigkeiten und Richtungsänderungen hinsichtlich der Betonung religiöser Aspekte innerhalb der Lehrarten gegeben.
Das mag auch die Ordensleitung der stärker christlich geprägten Großen Landesloge der Freimaurer in Berlin bewogen haben, auch im neuen Industriezentrum des Kaisrerreiches eine Ordensloge zu gründen.
Denn mit dem Aufblühen des Bergbaus und Hüttenwesens, das von Preußen her organisiert wurde, kamen auch viele Ordensbrüder aus Mittel- und Ostdeutschland ins Ruhrgebiet und nach Dortmund.
Sie waren eine zeitlang besuchende Brüder der Alten Linde , deren Mitgliederzahl auf sage und schreibe 279 Mitglieder angewachsen war. Die bereits in Hagen existierende Ordensloge "Victoria zur Morgenröte" fungierte bei der Logengründung quasi als Geburtshelfer, und so konnte am 6. März 1910 in einem angemieteten Stockwerk der Gaststätte "Zum schwarzen Raben" die neue Johannisloge "Reinoldus zur Pflichttreue" mit der feierlichen Lichteinbringung das Licht der freimauerischen Welt erblicken.
Deutschland stand nach einer bis dahin beispiellosen 40-jährigen Friedenszeit und Aufwärtsentwicklung auf dem Höhepunkt seines Nationalbewußtseins und erntete bereits die Früchte der modernen industriellen Entwicklung. Die Einwohnerzahl Dortmunds war auf 142.000 angewachsen.
1899, als die ersten Pläne zur Gründung einer Ordensloge in Dortmund gemacht wurden, wurde das alte Dortmunder Rathaus renoviert und Kaiser Wilhelm II. weilte zur Einweihung des Dortmund-Ems-Kanals einige Stunden in Dortmund - und auf dem Altmarkt stand der nagelgespickte Reinoldus. Den 31 Gründungsbrüdern unserer Loge stand als erster Vorsitzender Meister der Hochwürdige Ordensbruder Egon Haehling von Lanzenauer vor.
Die berufliche Zusammensetzung der Logenbruderschaft ist - wie auch bei der Gründung der Loge "Zur Alten Linde" 55 Jahre zuvor - ein Spiegelbild seiner Zeit. Aus unserer Matrikel - dem Logbuch der Loge - erfahren wir, welche Berufe die Gründungsbrüder damals ausübten : Egon Haehling von Lanzenauer Major a.D. August Schwarze Amtmann und Oberleutnant a.D. Heinrich Berghaus FabrikantAlbert Gelbcke Betriebs-ChefPaul Hoefig Königlicher Zollinspektor Paul Jende Königl. Eisenbahn-Verkehrs-Inspektor Bruno Sonnenkalb Chemiker und Fabrikbesitzer August Silkroth Amtsgerichtsrat a.D.

Dazu kamen noch 8 Ingenieure und 8 Kaufleute. Bereits drei Jahre später konnte das eigene Logenhaus in der Poststraße durch den Landesgroßmeister Graf zu Dohna-Schlodien geweiht werden.
Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges verzeichnet unsere Matrikel zwar 115 Brüder, der echte Mitgliederbestand betrug 1914 aber nur 76 Mitglieder. Das zeigt die starke Fluktuation in dieser Zeit beruflicher Veränderungen und der Suche nach neuen sinnstiftenden Zielen. Trotzdem verzeichnete unsere Reinoldusloge in den Kriegsjahren bis 1918 einen Zuwachs auf 92 Brüder.
Der erste Weltkrieg ging an der Loge relativ spurlos vorüber, denn wir lesen nur von einem Bruder, der am 14. April 1918 starb.
Und auch in den folgenden unruhigen Jahren der Spartakusaufstände und Angriffe roter Arbeiterbataillone verzeichnet die Matrikel nur einen Bruder, der am 19. März 1920 gefallen sei.
Drei Jahre später, während der Inflationszeit und des passiven Widerstandes gegen die französischen Besatzungstruppen, wurde auch das Logenhaus in der Poststraße von den Franzosen besetzt und die Brüder mußten für einige Monate bei der Alten Linde unterschlüpfen. Trotz dieser Verwerfungen hat der geistige Aufbruch des gebildeten Bürgertums vom preußisch-nationalpatriotischen Korsett des untergegangenen Kaiserreiches hin zu einer weltoffeneren Sicht auch der Reinoldusloge viele neue Brüder zugeführt. Und so konnte die Mitgliederzahl bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 bis auf 171 steigen.
Doch so wie die Entwicklung der Reinoldusloge die Aufwärtsentwicklung des Wohlstandes widerspiegelt, so hart traf auch unsere Loge die Weltwirtschaftskrise mit ihren 76.000 Arbeitslosen in Dortmund im Jahre 1932.
Auch die zunehmend schrilleren nationalistischen Hetztiraden eines Ludendorff gegen die Freimaurerei, die mit dem Judentum gleichgesetzt wurde, verfehlte letztlich nicht ihre Wirkung. Viele glaubten damals, dem Zug der Zeit folgen zu müssen und blieben der Freimaurerei fern. So sank die Mitgliederzahl innerhalb von 4 Jahren 1933 auf 127 Brüder.
Auch der letzte Versuch der Loge durch die Umbenennung in "Deutsch-Christlicher Orden; St.Johanniskonvent Dortmund, genannt Reinoldus zur Pflichttreue" sich als konform mit dem neuen Zeitgeist des Dritten Reiches darzustellen, konnte sie nicht vor dem Untergang retten.
1934 waren es nur noch 52 Brüder und am 20.Juli 1935 beendete der damalige Logenmeister Br. Ernst Mattenklodt die freimaurerische Arbeit der verbliebenen 37 Brüder mit den Worten: "Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt".
Die rituellen Gegenstände der Loge wurden von der Gestapo beschlagnahmt und das Logenhaus mußte 1937 weit unter Wert an die Ev. Kirchengemeinde Petri-Nicolai verkauft werden.
Ein kleines - von der Gestapo beobachtetes - Häuflein von Brüdern traf sich fortan an mehreren Stammtischen einmal wöchentlich und mußte mit ansehen, wie das alte Logenhaus im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Auch die Stiftungsurkunde und die Matrikel blieben vom Feuer in Dortmund nicht verschont, konnten in ihrer Substanz aber gerettet werden.
Angesichts des totalen Unterganges der Nation und der zu 93 % zerstörten Innenstadt von Dortmund, kann man es den Brüdern nicht verübeln, wenn sie sich zunächst auf die Wiedergründung der Reinoldusloge konzentrierten, was dann am 16.November 1947 mit der Lichteinbringung und Tempelweihe in einer angemieteten Etage des Hotelrestaurants "Biedermeier" geschah.
Einen Monat später konnte der erste neue Bruder aufgenommen werden und in der Folgezeit stieg die Zahl der Reinoldusbrüder von 36 im Jahre 1948 auf 74 im Jahre 1955 und weiter auf max. 89 im Jahre 1964.
Von 1953 bis 1979 arbeiteten die Brüder beider Dortmunder Logen in den gemeinsam genutzten Räumen des Metall-Arbeitgeberverbandes in der Prinz-Friedrich-Karl Str., bevor wir am 10.März 1979 in der ersten Hälfte dieses Hauses die Lichteinbringung im eigenen Tempel feiern konnten.
An dieser Stelle ist nachzutragen, dass wir bereits 1971 eine große Öffentlichkeitsveranstaltung durchgeführt haben, die 800 interessierte Besucher zu uns führte. Auch die jüngere Vergangenheit unserer Loge ist geprägt vom Zeitgeist und den gesellschaftlichen Strukturen.
Mit der 68er-Kulturrevolution und der stürmischen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung verloren in der neuen gewinnorientierten Gesellschaft auf der einen Seite die Wertvorstellungen und die Philosophie der Freimaurerei an Attraktivität.
Angesichts der revolutionären Entwicklung der Kommunikationsmöglichkeiten und der zunehmenden weltweiten Verflechtung unserer Lebensverhältnisse auf der einen Seite und der zunehmenden Gewaltbereitschaft und Vorherrschaft des Stärkeren auf der anderen Seite hat sich ein neuer sog. Zeitgeist eingestellt.
Er läßt einerseits leichter als früher Hemmschwellen fallen, um an die Macht zu gelangen, andererseits läßt er die Sehnsucht nach seelischer und emotionaler Geborgenheit wachsen.
So kommen wir zunehmend zu der Überzeugung, daß unter den gegenwärtigen Bedingungen unseres gesellschaftlichen Lebens der Grundgedanke der Freimaurerei eine Zukunft hat und zunehmend mehr Menschen erkennen, welchen persönlichen Wert die Zugehörigkeit zu unserem Bruderbund haben kann.
Dieses war auch der Grund, erneut eine Öffentlichkeitsarbeit als Tage der offenen Tür durchzuführen. Wir haben dabei dieses Mal die nüchterne Vermittlung von Sachwissen über die Freimaurerei und unsere Loge zurückgestellt gegenüber der Darbietung eines Erlebnispfades durch die Werte- und Gedankenwelt der Freimaurerei.
Diese versteht sich seit jeher nicht als eine nur esoterische, vor der Wirklichkeit abgeschottete Geheimgesellschaft, sondern als eine voll im Leben unserer heutigen Zeit stehende Bruderschaft, welche die unzerstörbaren Wertvorstellungen und Traditionen der Menschheit vor dem Hintergrund einer christlich geprägten Nächstenliebe zu verinnerlichen sucht.

Auf dieser Grundlage schauen wir vertrauensvoll in die Zukunft.


Altes Gasthaus Grube - Erster Treffpunkt nach 1945
Das Logenhaus in der Poststr.

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